Tag 24 ... Dushanbe!

Tadschikistan

Qala-i Khumb > Dushanbe.

 

Kaum erahnen wir im schattigen Tal den Sonnenaufgang, schälen wir uns aus unseren so unglaublich kuscheligen Grüezi-Bag-Schlafsäcken. Während die wirklich allerletzten brennbaren Gegenstände in Feuer aufgehen, werfen wir einen prüfenden Blick auf die gegenüberliegenden Felswände und entdecken dort bunte Tupfer: ein Grüppchen afghanischer Fußgänger ist unterwegs und allem Anschein nach bereits länger wach als wir...

 

Wir werfen die letzten Frühstücks-Vorräte zusammen und überlegen gerade, wie wir uns am besten von unseren beiden nächtlichen Beschützern verabschieden, als sie zusammen mit ihrem Kommandanten auf uns zu kommen. Alle drei haben ein Handy in der Hand und bitten grinsend um ein gemeinsames Foto.

 

Auch für die letzte Etappe bis Dushanbe brauchen wir wieder die Anschlepp-Hilfe unserer Rallye-Kollegen, bis Sepp wie am Schnürchen läuft. Die ersten Kilometer sind ebenso eindrucksvoll und herausfordernd wie in den letzten beiden Tagen, bis wir uns Shuroobod nähern. Die Shuroobod-Brücke über den Panj verbindet Tadschikistan und Afghanistan. Je mehr wir uns von der afghanischen Grenze und dem Panj entfernen, umso mehr ändern sich Landschaft, Farbe und Straßenverhältnisse. Statt rauher Felsen begleiten uns bewachsene Bergkuppen, aus dunkelbraun und steingrau wird senfgelb. Die Straße wird besser, ab Shuroobod ist sie sogar durchgehend asphaltiert. Hinter dem mit Blumen geschmückten Stadt-Tor sind sogar vier Hubschrauber-Landeplätze auf die Straße gemalt, die in diesem Abschnitt in geradezu westeuropäischem Zustand ist und sogar Fahrbahnmarkierungen aufzuweisen hat. Seit Tagen können wir endlich wieder den 4. Gang benutzen, fliegen über den glatten Belag und machen ordentlich Strecke.

Plötzlich sehen wir ein Fernsehteam an der Straße stehen, das eine Tourismus-Promotion-Tour (eine Handvoll Journalisten in einer Taxi-Kolonne) zu begleiten scheint. Sie werden auf uns aufmerksam, springen winkend und „Daumen hoch“ haltend in ihr Fahrzeug und nehmen die Verfolgung unseres kleinen Rally-Konvoys auf. Sie geben Gas, überholen und filmen uns, um wenig später den Kamera-Mann mit laufender Kamera mitten auf der Straße abzusetzen. Sie haben deutlich ihren Spaß daran, so unverhofft ein Rallyeteam mitschneiden zu können – und wir auch! Wenn wir nur wüssten, auf welchem tadschikischen Sender wir anschliessend zu sehen waren...

 

Auffallend häufig stehen inzwischen „Achtung Steinschlag“-Schilder am Straßenrand. Zu Recht, denn auch die nagelneue Straße ist teilweise mit Steinen übersäht und wir sind dankbar, dass wir keinen davon aufs Dach oder gar auf die Scheibe bekommen, sondern nur unter die Räder.

 

Am Ende des GBAO-Gebietes (Gorno-Badakhshan) halten wir ein letztes Mal vor einer der vielen unvermeidlichen Registrierungsstellen. Die Beamten in Militär-Uniformen sind freundlich, neugierig, entspannt - und äußerst galant. Jede der wartenden Frauen (auch aus dem Tross der Journalisten) wird ein Apfel vom Baum neben dem Posten gepflückt und überreicht. Dann verlassen wir wehmütig den Pamir...

 

Wir schlängeln uns weiter ins Tal Richtung Kulob, der viertgrößten Stadt Tadschikistans. Je weiter wir hinunter kommen, umso heißer und stickiger wird es. Hinter der Bezirkshauptstadt machen wir ein letztes Picknick auf eibem Tabdschan mit den Tajikbuam, dem C-Team, den Teams FaMou's ex und TaTour. Auf den letzten Kilometern vor Duschanbe liegen wieder stapelweise Melonen am Straßenrand und auf den benachbarten Feldern ist die Baumwollernte in vollem Gange. Büschelweise fliegt uns die weiße Pracht von den Feldern und LKW um die Ohren. Wir erreichen Vahdat und kehren für die letzten 10 km bis Dushanbe auf die M41, den Pamir Highway, zurück.

 

Das große Stadttor taucht vor uns auf. Wir haben es tatsächlich bis in die Hauptstadt geschafft: Ein unbeschreibliches Gefühl! Bis zur offiziellen Zielparty bleiben uns noch zwei Tage. Jetzt brauchen wir nur noch eine Bleibe, eine Werkstatt und einen Biergarten...

 

 

Wir checken gemeinsam mit vier anderen Teams in einem kleinen B&B ein und nehmen Kontakt zu Parvina von der Caritas auf, um eine geeignete Werkstatt zu finden. Uns liegt sehr am Herzen, den Caddy in bestmöglichem Zustand an Mashhura zu übergeben. Seit Kasachstan fahren wir ohne Auspuff-Topf, seit der tadschikischen Grenze sind wir ohne Anlasser unterwegs und beides muss sich ändern. In unmittelbarer Nähe können wir Sepp für einen Tag in die Hände von Zuversicht ausstrahlenden Mechanikern geben und verhandeln immerhin, dass die Schweißarbeiten am Auspuff zugunsten der Charity auf Kosten der Werkstatt gehen. 

 

Und wir gehen in den Brauerei-Biergarten Sim Sim und feiern. Angemessen. Mit reichlich Bier und großartigem Schaschlik. Wir sind in Duschanbe!! Das freut sogar unseren Taxifahrer, dessen lautstarke, tadschikische Musik uns noch spätnachts im Bett in den Ohren klingt...

song des tages

Dunkelbunt & Alix

"Egal"

"...es ist egal, wo Du herkommst und auch egal, wohin Du gehst: Alles was Du Dir erträumst, liegt vor Dir auf Deinem Weg..."



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