Tag 21 ... Zurück ins Grün

Tadschikistan

Bulunkul > Khorog.

 

Die Nacht zu fünft im herrlich warmen Zimmer war gemütlich, der kleine Morgenspaziergang durchs langsam erwachende Dorf herrlich. Es herrscht hier unendliche Stille, Klarheit und Frische - aber die große Frage, wie die Menschen hier überleben können (vor allem im Winter) steht die ganze Zeit im Raum.

 

Niso werkelt in ihrer Küche und macht uns ein wunderbares Frühstück. Beim Packen des Caddys sehen wir die Angel der Hecktür bedenklich weiter eingerissen: Das Gewicht des Ersatzreifens in Kombination mit den krassen Buckelpisten ist auf Dauer einfach Gift für das Scharnier. Also muss der Reifen auch noch aufs Dach. Wie jeden Abfahrtsmorgen erhöhen wir mit Hilfe unseres Kompressors bei zwei schleichenden Plattfüssen den Reifendruck und inzwischen haben wir uns auch ans Starten per Abschleppseil gewöhnt.

 

Es ist Samstag und gefühlt tummeln sich alle Kinder des Dorfes (davon angeblich 40 Schulkinder) um uns herum, als wir zum Abschied Geschenke verteilen.

 

Nächstes Etappenziel ist Khorog. Unser Sepp hat nach immerhin knapp 8.000 km bisher nur wenige Ausfälle zu verzeichnen: 1 Endtopf (nicht kaputt, nur gerettet), 1 Reifen (in Nukus repariert), Blinker-Glas vorne rechts (auf irgendeiner Rüttelpiste verloren) und den Anlasser (überbewertet). Wir finden das ist eine passable Bilanz. Damit das so bleibt, schonen wir den Sepp so gut es geht. Wir liegen gut in der Zeit und widmen uns behutsam dem nächsten Abschnitt der M41 zum Ausgang des Ost-Pamirs. Die Landschaft ist karg und felsig, die höchsten Gipfel rundum sind mit Schnee überpudert. Wir verlassen das Hochtal von Alichur und passieren den vergleichsweise unspektakulären 4.271m hohen Koytezek-Pass.

 

Von nun an geht es abwärts. Wir treffen seit Kirgistan immer mehr Radfahrer, die den Pamir-Highway mit allen Unwägbarkeiten (schlechte Fahrbahn, Höhe, Kälte, Schnee) allein oder in kleinen Gruppen bewältigen und unsere allergrößte Hochachtung verdienen. Was wir machen, ist dagegen die reinste Spazierfahrt... Zu Fuß begegnen uns Hirten mit ihren Schaf- oder Ziegenherden. Irgendwann taucht ein einsamer Mensch aus dem Nichts vor uns auf, der eine orange Warnweste und eine Schaufel trägt. Hin und wieder hält er inne, um ein Schlagloch mit Material vom Straßenrand aufzufüllen. Wohin das Auge schaut: Schlaglöcher. Er wird eine Weile beschäftigt sein, so allein.

 

Die Landschaft ändert sich schlagartig, je weiter wir an Höhe verlieren. Ein lichtes Grün zeigt die zunehmende Fruchtbarkeit der Böden an, plötzlich haben die Häuser Vorgärten mit Blumen, gepflegte Zäune und kleine Mäuerchen. Überall wird Heu gemacht und Mais geerntet, am Straßenrand stehen säckeweise Kartoffeln, die darauf warten, von einem Gefährt eingesammelt zu werden. Wenn wir durch die Dörfer fahren, kommen die Kinder fröhlich und winkend angelaufen. Sie rufen „Hello“ und „How are you“, viele versuchen uns zum Anhalten zu bewegen. Auch die Erwachsenen lachen und winken einfach immer. Wir winken zurück und fühlen uns wie Königinnen von England. Entgegenkommende und überholende Autos hupen zum Gruß. Ja, wir werden überholt, und zwar ständig. Die Einheimischen fahren laut Routenplaner gnadenlos bis zu 3x schneller als wir...

 

Am frühen Nachmittag picknicken wir sehr lauschig am Ufer eines kleinen Nebenlaufes des Gunt, der uns schon eine Weile hellblau glitzernd begleitet hat, bis er außer Sichtweite geriet. Wenige Kilometer später sehen wir ihn plötzlich Türkis sprudelnd wieder vor uns. Eine Hängebrücke nach der anderen verbindet beide Flußufer, aber sie scheinen ausnahmslos für Fußgänger zu sein.         

 

Mit Khorog erreichen wir die Grenze zu Afghanistan. Wir brauchen mal wieder eine Mütze erholsamen Schlaf, denn die Straßen erfordern höchste Konzentration. Der „Lonley Planet“ empfiehlt ein kleines Hotel in einer Nebenstraße Khorogs, dessen Eingang wir auf den ersten Blick nicht finden. Als wir durch eine Metalltür treten, die den Anschein macht, vor einer Baustelle zu stehen, finden wir uns plötzlich ein einem kleinen, liebevoll gestalteten Gärtchen mit Taptschan, Hängeschaukel und bunten Kissen wieder. Mit TaTour, dem C-Team und viel Bier ist das der Platz des Abends.

song des tages

Parov Stelar

"All Night"

danke an bernolph



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